Jeder kennt das, wenn man eiskalte Cola zu schnell trinkt. Es gefrieren einem die Schläfen, ein Stechen saust durch die Nebenhöhlen und lassen den Kopf fast zerbersten. All das ist aber nicht so cool wie McLeod, Rory McLeod. Dieser gewann am vergangenen Wochenende das Finale der Ruhr Open mit 4:2 gegen Tian Pengfei. Dabei bewegte sich der 44-jährige Engländer wie eine Katze um den Tisch, ruhig, bedächtig, einfach cool. Wenn er in Spielpausen merkte, dass ihn die Kamera erwischte, spielte er mit dieser, wie ein Superstar der Popmusik.
Auch einige deutsche Amateure waren in Mühlheim am Start. Bei ihnen faszinierte das Spiel von Sascha Lippe, welcher bis in die 5. Runde des Turniers vordringen konnte. Dabei feierte er Siege über Hans Blanckaert, Thomas Rees, Fozan Masood und Liang Wenbo (nicht angetreten), bevor er an Anda Zhang scheiterte. Zweitbester deutscher Spieler war Felix Frede, welcher mit einem 1:4 gegen Adam Duffy in Runde 3 ausschied. Vorzeigetalent Lukas Kleckers schied bereits in der ersten Runde mit 4:1 gegen Brandon Sargeant aus.
World Snooker hat einen kleinen Anreisser produziert, um die Snookerfans nächste Woche nach Mühlheim zu locken. Aber Snookerfans aufgepasst: es ist kein Kuchenbackwettbewerb, wie im Video angekündigt. Die Veranstaltung nennt sich "Ruhr Open", nicht "Rühr Open".
Darryl Hill ist der Sieger der U21 EM, die Anfang des Jahres in Malta stattfand. An ihm scheiterte der Traum von Lukas Kleckers das Maintourticket über die Europameisterschaft zu erhaschen. Hill bezwang den derzeitigen deutschen Vorzeigespieler mit 5:4 im Halbfinale von Qawra. Im Finale setzte sich der 19-jährige Spieler, welcher für die Isle of Man an den Start ging, mit 6:3 gegen Louis Heathcode durch.
Und was macht nun Darryl Hill? Hat ihm sein Sieg auf Malta und das dadurch gelöste Maintourticket etwas gebracht? Ja, gestern machte der Jungprofi Schlagzeilen, als er sich das erste Mal in seiner Karriere für die Endrunde eines Maintourturniers qualifizierte. Hill darf nun Ende des Monats nach Daqing in China reisen und an den International Championship teilnehmen. Möglich gemacht hat das ein 6:4-Sieg in der letzten Qualifikationsrunde gegen Robert Milkins, immerhin Nummer 19 der Weltrangliste.
Drücken wir Hill ein wenig die Daumen, dass er bald seinen Job im Katzentierheim aufgeben kann, um sich vollends auf Snooker zu konzentrieren.
Kyren Wilson gewinnt das Finale der China Open mit 10:9 gegen Judd Trump.
Für den 23-jährigen Engländer ist es der erste Turniersieg seiner noch ach so jungen Profisnookerkarriere.
Im letzten Jahr, bei den Paul Hunter Classic, hatte ich das Glück des einen Abends, Kyren Wilson an der Hotelbar kennenzulernen. Ich saß wie immer an den Turnierabenden dort und sortierte die gemachten Fotos der vergangenen Stunden, die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Kyren Wilson war nach Fürth gekommen, um Profi zu bleiben. Er hatte sich gerade erst als siebtbester PTC-Teilnehmer für die Teilnahme an der Maintour qualifiziert und wollte das Profitum nicht wieder, wie vor zwei Jahren hergeben. Er wirkte auf mich unglaublich fokussiert - fokussiert auf ein einziges: alles dafür zu geben, Snookerprofi zu bleiben und damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er grölte auch nicht draußen vor dem Hoteleingang mit den anderen jungen Snookerspielern, welche die Paul Hunter Classic nur als Urlaub von der Insel sahen. Er hatte sein Training umgestellt, trainierte mehr und häufiger und zu allerletzt war auch noch seine Freundin Sophie schwanger. Er hatte also genug Motivation, Geld mit dem Snookerspielen zu verdienen. Er erzählte noch von der schweren Krankheit (MS) seines Vaters, und dass es ihn unglaublich anspornt zu trainieren, wenn er sieht, wie sein Vater das Leben nimmt, wie es kommt. Und nun, fast ein Jahr nach dieser kleinen Begegnung an der Bar, sitze ich vor dem Fernseher und kann meinen Augen nicht trauen, dass dieser Wunsch von Kyren auf den Verbleib auf der Maintour in Erfüllung gegangen ist.
Übrigens, aus der Schwangerschaft von Sophie ist Finley geworden.
Passend, das ausgerechnet Ali Carter das Turnier in Fürth gewinnt, der gerade erst den Krebs für sich besiegt hat. Die Paul Hunter Classic sind nach dem Snookerprofi Paul Hunter benannt, welcher im Jahre 2006 an Krebs starb.
Im Finale von Fürth traf Paul Hunter auf Shaun Murphy und besiegte diesen mit 4:3. Der Sieg ist immerhin 25.000 Euro wert. Wichtiger für den 36-jährigen ist es aber zu wissen, dass er noch immer auf dem Topniveau der Snookerprofis mithalten kann, sogar so gut, um Turniere zu gewinnen. Carter hatte in der letzten Saison jede Menge Turniere aufgrund von Behandlungen verpasst, da die Ärzte bei ihm einen Tumor in der Lunge entdeckt hatten.
World Snooker hat gestern mitgeteilt, dass das erste Turnier der Asientour auf Oktober verschoben wird. da findet allerdings das zweite Turnier der Asienserie statt. Das bedeutet, dass die Asientour nun nur noch aus einem Turnier besteht. Von einer Tour, beziehungsweise einer Serie kann man da wohl nicht mehr sprechen. In der letzten Saison bestand die Tour noch aus drei Turnieren, in der vorletzten sogar aus vier Events. Bleiben wir gespannt, denn World Snooker arbeitet an einer Alternative …
Mitte Dezember in Gibraltar? Das wäre was. Ein bisschen auf Afrika schauen und den zahlreichen Frachtern an der iberischen Halbinsel zuwinken. Falls ihr Snookerfan seid und auch noch ein paar Resturlaubstage habt, dann hat World Snooker für euch ein tolles Event geschaffen. Vom 9. - 13.12. finden in Gibraltar die Gibraltar Open statt, ein Turnier der European Tour. Viele der TOP Profis haben bereits ihre Teilnahme zugesichert. Auch für Amateure steht dieses Turnier offen. Diese starten am 9. Dezember. Anmeldeschluss für Interessenten am Mitspielen ist am 5. November.